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Die Legende von Raufelix

Kik 17. January 2026

Nach einer wahren Geschichte

"Opa, Opa! Komm' her! Erzähl' uns eine Geschichte!", hallt es durch die kristallklare Nacht. Nur der Mond und ein knisterndes Lagerfeuer erhellt eine Lichtung im Schneckenwald. Ein alter Mann tritt aus den Schatten an das Feuer und krächzt: "Ja ... Ja ... Geduld! Ich komm so schnell ich kann."
Mit einem erleichternden Seufzer setzt sich der Greis in das Moos und beginnt in seinem Lederbeutel zu wühlen.
"Ah. Hier! ... Seht euch das an!" Die Kinder eilen zum alten Mann und lehnen sich neugierig vor. "Ein lausiger Stift? Was ist daran so besonders?"
"Lausiger Stift?!", keift der Greis, "Paperlapapp! Das ist ein ganz besonderer Stift. Er gehörte einst einem mutigen Abenteurer, der mit seiner Hilfe unsere Stadt vor einer grausigen Gefahr bewahrt hat. Viele, viele Monde war das her, als ich noch wie ihr ein junger Spund war. Der Abenteurer, unser Held ... sein Name war Raufelix. Ohne ihn und seinen Stift wäret ihr vielleicht nie geboren worden, also hört her ..."

Raufelix wurde in Borlinsburg geboren. Beide Elternteile hatten hohe Ränge am könglichen Hofe inne. Sein Vater war ein legendärer Baumkundiger und Historiker. Seine Mutter lehrte an der Akademie von Borlinsburg Fechtkunst und Ausdruckstanz.
Raufelix war ein aufgewecktes Kind, das das gesamte familiäre Answesen auf den Kopf stellte und viel Schabernack trieb. Die Eltern hofften, dass mit der Geburt seines kleinen Brüderchens, Uwiss, Raufelix etwas ruhiger werden würde, da er nun einen Freund zum Spielen hätte. Sie hatten sich getäuscht.
Uwiss und Raufelix waren ein teuflisches Duo. Sie pinkelten durch die Gegend und machten bis spät in die Nacht Musik. Mit häufigen hinterlistigen Streichen terrorisierten sie das gesamte imperiale Viertel. Bis sie eines Tages die falsche Person ausgetrickst haben ...
Ein Ritter des Großherzogs Haan Zeschke hat sie erwischt und vor das königliche Tribunal gebracht. Raufelixs Augen füllten sich mit Angst als er die Tribunalvorsitzende erblickte. Es handelte sich um La'Sagg, seine Tutorin für fremde Zungen an der Akademie von Borlinsburg, die er damals regelmäßig veräppelt hatte.
"Haha, hust so sieht man sich wieder hust Raufelix.", sagte La'Sagg mit einem arroganten Lächeln, "Erinnerst du dich an deine beiden Akademiefreunde Erok und Kieck? So oft habt ihr euch hust über mich lustig gemacht. Die beiden haben ihre gerechte Strafe erhalten hust und nun bist du dran und deinen mickrigen Bruder zermalme ich gleich mit."
Raufelix Furcht wich einer unbändigen Wut. "Was hast du ihnen angetan, du Hexe?!"
"HALT DEN MUND!", La'Saggs Stimme war plötzlich tiefer und dämonischer, "DICH VERBANNE ICH IN DAS ALBUS BIEBER BILDUNGSWERK UND DEIN BRUDER MUSS IN'S EXIL NACH JAJAPIN. NEHMT IHN AUS MEINEN AUGEN!"
Zwei Ordensritter packten Raufelix und brachten ihn langsam zum Tor des Tribunalpalastes. Er versuchte sich zu befreien. Er trat zu und windete sich. Nichts schien zu helfen.
"Lasst mich los, ihr miesen Schweine". Raufelix biss heftig zu, doch seine Fressleiste kam nicht durch den Mythril-Panzer der Ordensritter. Erschöpft senkte Raufelix seinen Kopf. In seinen Augenwinkeln sah er Uwiss, der ebenfalls im Haltegriff der Leibgarde war.
"Jajapin?", dachte sich Raufelix, "werde ich Uwiss jemals wiedersehen?".
Nach Jajapin wurden Verräter, Spione und sonstige Feinde des Königreichs gebracht. Raufelix waren keine Geschichten bekannt, dass jemals einer von dort zurück kam. Sein eigenes Schicksal schien jedoch noch viel schlimmer. Das Albus Bieber Bildungswerk war eine 'Rekalibrierungsstätte', wie die Imperialen es nannten. Hier wurde Hirnwäsche betrieben. Wurden Erok und Kieck auch hierhin gebracht? In Raufelixs Kopf rasten die Gedanken, bis sich sein Mund mit Blut und Zahnsplittern füllte und ihm Schwarz vor Augen wurde.

Mit starken Kopfschmerzen und schmerzendem Mund wachte Raufelix auf. Er war in einer kleinen Zelle gefangen. Nur ein Loch zum Scheißen und Pissen in einer Ecke und ein Holzbrett zum Schlafen in der Anderen. Er versuchte sich aufzurichten doch ein grässlicher Schwindel brachte ihn wieder zu seinen Knien.
"Was zum Geier ist das?", dachte sich Raufelix. Der Schwindel wurde stundenlang nicht schwächer und ihm war zum Schreien zumute. Als Raufelix zu einem ohrenbetäubenden Gebrüll ansetzen wollte, hörte er plötzlich etwas hinter seiner Zellentür.
"Psst. Hörst du mich?". Raufelix brach sein Vorhaben ab und horchte.
"Hallo? hörst du mich?" Die Stimme klang warm und freundlich. Imperiale Ritter klingen anders, dachte sich Raufelix und entschloss sich zu antworten.
"Ja, ich höre dich. Wer bist du?"
"Ich heiße Tharngar. Ich hau' hier ab. Willst du mit?"

"Tharngar?! Opa, das bist doch du!"
"Jahahaha", lachte der Greis, "Ja, ich kannte den Helden persönlich. Gute Freunde waren wir sogar. Aber gebt jetzt Ruhe. Ich will die Geschichte weitererzählen..."

"Du bist gut! Natürlich will ich mit, aber ich kann mich nicht bewegen. Mir ist so schwindelig."
"Die Imperialen haben deine Ohrenkristalle gestört, damit du nicht fliehen kannst. Ich weiß aber wie man das wieder beheben kann."
Ohrenkristalle? Das klang nach absoluten Humbug. War Tharngar ein Irrer? Konnte Raufelix ihm trauen? Ihm blieb aber keine andere Wahl. Tharngar schien der Einzige weit und breit, der auch nur ansatzweise helfen konnte.
"Hmm...Ok, dann leg los", sagte Raufelix. Die Tür fing an zu rütteln und nach einem Klacken öffnete sich das Schloss. Eine wahrlich Gottgleiche Gestalt stand vor Raufelix - mit ausgeprägten Bizeps und voluminösen Waden und Oberschenkeln. Dieser Mann hat wohl nie den Beintag im königlichen Gym geskippt.

"Das klingt aber nicht nach dir, Opa", erwähnte eines der Kinder mit skeptischem Blick. "Doch, früher sah ich so aus. Ich schwöre auf all meinen Schmuck"
"Der ist doch nix Wert..."
"Klappe, Timmy, sonst verpass ich dir einen Satz warme Ohren. So ... wo war ich ... ach ja!"

Tharngar trat in die Zelle ein und schloss vorsichtig die Tür. "Du musst jetzt super leise sein, sonst hören uns die Wachen. So ... dreh' dich auf die Seite. Ich behebe dein Schwindelproblem."
"Du wirst mir doch den Stift da nicht in's Ohr pieksen, oder?", fragte Raufelix.
"Was? Achso. Nein. Komm jetzt, wir haben nicht viel Zeit. Dreh' dich auf die Seite.", befahl Tharngar ungeduldig. Als Raufelix sich umdrehte, packte ihn Tharngar, hielt mit einer Hand Raufelixs Mund zu und mit der Anderen rammte er den Stift in sein rechtes Ohr. Raufelix schrie wie am Spieß, doch kein Ton entwich Tharngars Hand.
"Und? Besser?" Es war tatsächlich besser. Raufelixs schmerzverzerrtes Gesicht entspannte sich und er nickte. "Gut", Tharngar löste seinen Haltegriff und zog den Stift wieder heraus, "Den schenke ich dir. Lass jetzt raus hier. Folge mir!"

Der Zellenblock war verzweigt und unübersichtlich, jedoch schien sich Tharngar perfekt auszukennen. Mehrfach mussten die beiden den Wachen ausweichen und sich in Fässern oder im Schatten verstecken.
Dann war es geschafft. Ein Licht am Ende der Festung. Sie sind entkommen.
Der Kerker des Albus Bieber Bildungswerks lag relativ nah am Rande von Borlinsburg, wo Tharnsgar seine Hütte hatte.
"Wir müssens uns nach der ganzen Aufregung etwas ausruhen. Ich mach' uns etwas zu Essen."
"Eine gute Idee", antwortete Raufelix, "mir knurrt der Magen."
In der Hütte angekommen, konnte Raufelix seinen Augen nicht trauen. Kahle Wände, zerschlissene Masturbatoren, Kotze auf dem Boden. Wie lebt dieser Mann nur?
"Komm setz' dich, ich mach solange das Essen." Tharngar fing an in der Küche Gemüse zu schneiden.
Nach mehreren Stunden Warterei platzte Raufelix der Kragen und er schaute nach warum der Gastgeber so lange braucht. Gerade einmal zwei Karotten und eine Kartoffel waren geschält und geschnitten.
"Für sowas habe ich keine Zeit! Ich geh!", ärgerte sich Raufelix lautstark.
"Warte bevor du gehst!", Tharngar holte eine Bolli Hollidares Tonträger-Sammlung heraus, "Damit verbinde ich viel Schmerz, mein Freund. Bitte nimm mir die Last."
"So sei es Tharngar, danke für deine Hilfe. Ich muss mich jetzt für das Unrecht was mir, meinem Bruder und so vielen Bürgern von Borlinsburg widerfahren ist, rächen. Die Strafen für Unfug und Streiche sind schlichtweg zu hoch!"

Raufelix brach vollen Mutes und leeren Magens wieder Richtung Stadtzentrum auf, wo sich der Tribunalspalast befand. Nachdem der Ausbruch im Albus Bieber Bildungswerk dem Tribunalvorstand zu Ohren gekommen ist, wurden nun Bogenschützen and den Palastmauern platziert, um einem Vergeltungsschlag entgegenwirken zu können.
"Wie komme ich nur an den Bogenschützen vorbei?", dachte sich Raufelix. Da erklang eine altbekannte krächzende Stimme.
"Na, brauchste Hilfe?" Raufelix dachte es wäre sein Haustier Papagei aus der Kindheit, aber Nein, ein Mann ausschließlich gekleidet in Zwirn der besten Schneider Borlinsburgs watschelte auf ihn zu.
"Erok! Gott sei Dank, du lebst! Wo ist Kieck?". Bevor Erok auch nur ein Wort aussprechen konnte, ertönte eine zweite Stimme aus der Ferne.
"Meinst du mich?" Erok und Raufelix drehten sich, um zu sehen wer da spricht. Es stand ein gutgekleiderter, gutaussehnder Kerl da.
"Nein, wir meinen Kieck", erwiderte Raufelix. "Ah, ok. Entschuldigung.", antwortete der Mann und verschwand wieder.
"Kieck geht's auch gut ... noch.", sagte Erok, "Er versucht durch die Kanalisation einen Weg in den Palast zu finden. Doch wir beide nehmen den Fronteingang."
"Ja, wieeee deeeenn?!", fragte Raufelix genervt, "Die Bogenschützen ficken uns, bevor wir auch nur zwei Schritte zum Tor machen können."
"Keine Sorge, daran habe ich gedacht". Erok holte zwei Metallschilde aus seiner Tasche. "Feinster valyrischer Stahl! Diese Babies blocken selbst Malachit-Pfeile."
Die beiden Männer stürmten auf den Palast zu und wie von Erok versprochen: Die Pfeile der Bogenschützen prallten klirrend von den Schildern ab. Raufelix rammte mit einem gezielten Schulterstoß das Palasttor auf und dort stand sie, Tribunalvorstand La'Sagg. Mit ihrer tiefen Dämonenstimme sprach sie:
"IHR WOLLT MEINEN SCHATZ? DEN KÖNNT IHR HABEN. SUCHT IHN DOCH. IRGENDWO HAB ICH DEN GRÖßTEN SCHATZ DER WELT VERSTECKT."
"Nein", antwortete Raufelix, "wir wollen ein gerechtes Tribunal, wo Streiche und Tricks keine schweren Straftaten darstellen."
"NUR ÜBER MEINE LEICHE"
"So sei es", schrien Erok und Raufelix exakt gleichzeitig und stürmten auf La'Sagg zu. Sie traten, schlugen und stachen auf sie ein, aber nichts hatte eine Wirkung. Sie zuckte noch nichtmal einen Millimeter.
"LÄCHERLICH. ICH BIN UNBEWEGLICH UND DAMIT UNSTERBLICH, HAHAHA". Verzweiflung machte sich unter den beiden Männern breit. Wie kann man etwas Unbewegliches nur zerstören?
"Es gibt nur eine Sache die genauso mächtig wie etwas Unbewegliches ist.", sagte Erok. Raufelix schaute ihn an und nickte "Etwas Unaufhaltsames." Plötzlich ging die Klotür des Palastes auf und Kieck kam kotbeschmiert heraus.
"Raufelix, der Stift!", schrie er aus vollem Halse. "Stimt!", dachte sich Raufelix und warf den Stift mitten in La'Saggs Herz. Blendendes Licht erfüllte den Raum. Nachdem sich die Blendung legte, lag nur ein Artefakt auf der Stelle an der La'Sagg stand.
"Du hast ihre Seele in einen dekorativen Globus gebannt, Raufelix", sagte Kieck, "mit der Seelenenergie kann das Teil sogar leuchten".
Damit kehrte wieder Ruhe in Borlinsburg ein und die willkürliche Tyrannei hatte ein Ende. Streiche, Juxe, Tricks und Blödsinn waren wieder legal.

"Und wie ihr seht, Kinder, hält diese Ruhe heute noch an. Dank Sir Raufelix dem Helden von Borlinsburg. Seine Geschichte ist hier in diesem fantastischen Tagebuch niedergeschrieben. Falls ihr noch mehr von ihm wissen wollt, leihe ich es euch gerne aus. Seine Fressleiste wurde zum Beispiel wieder repariert, sodass sie nun auch Mythril durchbeißen kann. Sehr interessant.", sprach Tharngar.
"Steht da auch drin was aus Uwiss wurde?", fragte eines der Kinder.
"Ja, na klar. Uwiss war 'ne Weile in Jajapin, entkam von dort auf spektakulärer Art und Weise und lebt heute im Süden des Königreichs in Mönchsheim. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Abend."

Diskussion (1)

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Rauf
Rauf 17.01.2026 13:29

Geil man!